6-Minuten-Gehtest anstelle eines Belastungs-EKGs?

  • k -- Beatty AL, Schiller NB, Whooley MA. Six-minute walk test as a prognostic tool in stable coronary heart disease. Arch Intern Med 2012 (23. Juli); 172: 1096-102 [Link]
  • Zusammenfassung: Markus Gnädinger
  • Kommentar: Michel Zuber
  • infomed screen Jahrgang 16 (2012) , Nummer 5
    Publikationsdatum: 4. Oktober 2012
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Studienziele

Für Personen mit stabiler koronarer Herzkrankheit lässt sich die Prognose bezüglich neuer Ereignisse mit dem Belastungs­EKG gut abschätzen. Mit der vorliegenden Studie wurde untersucht, inwieweit sich der weniger aufwendige 6-Minuten-Gehtest (6MGT) ebenfalls zur Beurteilung des kardialen Risikos eignet und mit bekannten Methoden der Risikobewertung vergleichbar ist.

Methoden

15'438 potentielle Probanden aus der Kohorte der sogenannten «Heart and Soul Study» wurden angeschrieben. Bei einem Rücklauf von 2'495 Fragebogen (16%) konnten 1'024 Teilnehmende (7%) ermittelt werden, welche die Studienkriterien für eine stabile koronare Herzkrankheit erfüllten. Aus logistischen Gründen konnten aber nur 769 für die Studie ausgewählt und bei 556 von ihnen ein 6-Minuten-Gehtest auch durchgeführt werden. Gemessen wurde die im 6MGT erreichte Gehstrecke. Bei allen wurden ausserdem ein Belastungs-EKG und eine Echokardiographie durchgeführt und die koronaren Risikofaktoren, pro-BNP, CRP und andere Laborwerte bestimmt. Primärer Studienendpunkt waren eine Hospitalisation wegen einer Herzinsuffizienz, ein akuter Myokardinfarkt oder Tod jeglicher Ursache.

Ergebnisse

Die gemessenen Gehstrecken im 6MGT betrugen zwischen 87 und 837 m (Medianwert 481 m). Während einer Beobachtungszeit von median acht Jahren erreichten 218 Personen (39%) den primären Endpunkt. Es wurden 82 Hospitalisationen wegen einer Herzinsuffizienz, 63 Myokardinfarkte und 184 Todesfälle gezählt. Angehörige der Quartile mit der kürzesten Gehstrecke im initialen Test hatten im Vergleich mit denjenigen in der Quartile mit den längsten Gehstrecken ein vierfach höheres Risiko für ein Ereignis (HR 4,29, 95%-Vertrauensintervall 2,83–6,35). Eine um jeweils eine Standardabweichung (104 m) kürzere Gehstrecke im 6MGT war mit einem um 55% höheren Risikos für ein kardiovaskuläres Ereignis verbunden. Diese Assoziation blieb auch nach Korrektur mit den übrigen bekannten Risikofaktoren statistisch signifikant. Der prognostische Wert des 6MGT war mit der Aussagekraft des Belastungs-EKG vergleichbar.

Schlussfolgerungen

Der 6-Minuten-Gehtest eignet sich für die Abschätzung des kardialen Risikos bei einer stabilen koronaren Herzkrankheit. Er ist in seiner Aussagekraft mit einem Belastungs-EKG vergleichbar, weniger aufwendig und kostengünstiger.

Zusammengefasst von Markus Gnädinger

Obwohl es sich um eine stark selektionierte Population handelt, indem nur 7% der potentiellen Probanden schluss­endlich in die Studie eingeschlossen werden konnten, zeigt die Studie, dass der einfache 6 Minuten-Gehtest für mobile Personen mit koronarer Herzkrankheit als einfache und kostengünstige, dem Belastungs-EKG äquivalente Abklärung mit guter prognostischer Aussagekraft im klinischen Alltag eingesetzt werden kann. Gemäss eigener Erfahrung sind aber die Betreuung der Untersuchten während der Durchführung und die kritische Hinterfragung des erreichten Resultates wie bei allen anderen Tests wegen der Reproduzierbarkeit sehr wichtig, vor allem, wenn man ihn für die Verlaufsbeurteilung einsetzt.

Michel Zuber

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infomed-screen 16 -- No. 5
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6-Minuten-Gehtest anstelle eines Belastungs-EKGs? ( 2012)